Der Grundriss nimmt Formen an

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Der Grundriss nimmt Formen an

Wie wir uns den Herausforderungen des Geländes und des Bebauungsplans gestellt haben und zu unserem Grundriss gelangt sind.

Der für uns relevante Teil des Bebauungsplans mit vorgegebener Firstrichtung

Ausschnitt aus dem Grundriss

Aller Anfang ist schwer. Wie so vieles beim Hausbau lässt sich einmal fest gelegtes nur sehr schwer wieder ändern und wir sprechen hier von Entscheidungen, die bestenfalls für die nächsten Jahrzehnte gelten werden. Entsprechend ehrfurchtsvoll gingen wir an die Erstellung unseres Grundrisses heran.

Natürlich holt man sich Inspiration aus Bautagebüchern, Katalogen oder Hausbesichtigungen und entwickelt so einen ersten Geschmack. Dazu gesellen sich dann eigene Vorlieben und No-Gos, wie z.B. keine offene Küche (wir haben als Wohnküchengeschädigte schließlich genug gelitten). Jetzt das ganze noch mit einer Prise Empfehlungen zum energetisch sinnvollen Bauen gewürzt, mehrere Male Monate umgerührt und - tada - der gewünschte Küchentisch passt nicht mehr richtig rein, ohne dass alle zusammenrücken müssen wie auf dem Oktoberfest. So in etwa lässt sich die Arbeit an einem eigenen Grundriss zusammenfassen. Aber erstmal zurück zum Anfang...

Unser Grundstück hat die Form eines DIN A4-Blattes im Querformat, dazu eine leichte Hanglage mit nach Nord-Ost abfallendem Gelände und die Zufahrt in der südöstlichen Ecke. Der Bebauungsplan gibt eine Firstausrichtung West-Ost vor, was bedeutet, dass aus praktischen Gründen der Eingang eigentlich nur von Süden oder Osten erfolgen kann. Die Variante mit Zugang von Nord hatte ich mal durchgespielt, was zwar einen klassischen Grundriss mit noch perfekterer Sonnenausrichtung ermöglicht hätte, aber es erschien uns doch als etwas unpraktisch, wenn Besucher beim ersten Mal den Eingang suchen müssen oder wir nur die Hälfte unserer Post bekommen. Wir sind dann an einem lauen Sommerabend auf dem Balkon (eisgekühlter Hugo war dabei auch im Spiel, glaube ich) dazu übergegangen, die geplanten Räume unseres Hauses in der für uns optimalen Größe und Form aus Karopapier auszuschneiden und so zueinander anzuordnen, bis es passte. Die Idee eines südlichen Eingangsbereich haben wir recht schnell wieder verworfen, weil wir so zuviel wertvolle Fläche im Süden verschwendet hätten. Kleine Randnotiz: Der vorgenannte Vorschlag wurde uns in einem Bauforum im Internet von einem Architekten gemacht, der allen Ernstes neben dem Eingangsbereich im Süden ein Haus mit den Abmessungen 20 x 7 m quer über die komplette Nordseite des Grundstücks vorgeschlagen hat. Verena hatte dafür sofort den passenden Titel ("Schweinestall") parat. Diese Bezeichnung wollten wir uns eigentlich für die späteren Kinderzimmer aufbewahren. ;-)

Es muss dann wohl ein seitlicher Eingang von Osten her sein; ein Gedanke, an den ich mich anfangs nur sehr schwer gewöhnen konnte. Grundrisse mit seitlichem Eingang haben unserer Erfahrung nach den entscheidenden Nachteil, dass man bei rechteckigen Häusern eine recht lange Distanz zurücklegen muss, um in die Mitte des Hauses und von dort in die einzelnen Räume zu gelangen. Da wir auf eine offene Küche verzichten und auch sonst keinen offenen Grundriss haben wollten (neben wohnküchengeschädigt ist meine Frau dank der offenen Treppe nach oben auch ein Opfer von "Markus-der-Depp-singt-um-3-Uhr-früh-im-Wohnzimmer-und-ich-wache-davon-im-Schlafzimmer-auf" geworden), ergibt sich so der Eindruck man befände sich beim Betreten des Hauses auf einem Amt: lang, schmal und überall Türen. Nach vielem Hin- und Herschieben fingen wir mal spaßeshalber an die beiden Haushälften gegeneinander zu verschieben und plötzlich verkürzte sich der Flur merklich und die Türen zu den einzelnen Räumen rückten näher zusammen. Diese wilde Idee mussten wir aber erst mit einem Blick auf andere Grundrisse dieser Art verifizieren, bevor wir diesen Weg weiter beschritten.

Von da an entwickelte sich die Raumanordnung quasi von selbst. "Unwichtigere" Räume, wie Hauswirtschaftsraum, Treppenhaus, das Gäste-WC und -zimmer liegen im Norden des Hauses, Küche und Wohnzimmer im südlichen Teil. Die Küche kommt dabei im Osten (Morgensonne beim Frühstück) und der Wohn-/Essbereich im Westen (Abendsonne im Wohnzimmer und auf der Terrasse) zu liegen. Im Obergeschoss gingen wir dann ähnlich vor, wobei das Bade- und Elternschlafzimmer in den Osten gelegt wurden (damit man sich morgens das Elend im Spiegel beim Licht der aufgehenden Sonne anschauen kann). Das Bad über dem HWR zu platzieren hat auch den entscheidenden Vorteil, dass viele Leitungen und Fallrohre so direkt im HWR landen und nicht in anderen Räumen stören. Die Kinder sollen die schönsten Zimmer erhalten, weshalb unsere Tochter in ein Zimmer im südlichen Giebel ziehen wird und das andere Kinderzimmer mit Blick nach Westen in den Garten platziert wird. Den Abschluss bildet ein Büro/Hobby-/"Markus-singt-um-3-Uhr"-Zimmer im Nordwesten.

Für die weitere Grundrissplanung und Visualisierung habe ich mir zahlreiche kostenlose Tools angesehen und bin schließlich bei "Sweet Home 3D" gelandet, was vor allem durch seine genauen Bearbeitungsmöglichkeiten und die umfangreichen Möbelbibliotheken punkten konnte. Mit den hieraus entstandenen Plänen setzten wir uns dann mit Herrn Timper von Schrandt zusammen und sprachen alles durch. Als Ergebnis brachte er beim nächsten Termin die von der Architektin sauber umgesetzten Grundrisse mit und stellte sie uns vor. Die Firma fährt dabei die völlig nachvollziehbare Linie, dass die Pläne vor Vertragsabschluss oder ohne Bezahlung eines kleinen Obolus nicht herausgegeben werden. Ich habe in meiner Agenturkarriere oft genug die Erfahrung machen müssen, dass Kunden sich Entwürfe anfertigen lassen, für die man am Ende keine müde Mark sieht und die dann vielleicht sogar noch vom eigenen "Werksstudenten" kostengünstig und qualitätsfrei umgesetzt werden. Also haben wir versucht soviel wie möglich von dem Gesehenen zu behalten und in unseren Stand einfließen zu lassen, was erstaunlich gut geklappt hat. Insgesamt haben wir ungefähr 3-4 größere Iterationen mit Schrandts Architektin benötigt, bis wir soweit waren. Vieles haben wir in der Endphase auch mit bebilderten E-Mails mitteilen können, was schon immens geholfen hat.

Wir bitten an dieser Stelle um Verständnis, dass wir die Grundrisse nicht öffentlich zeigen werden. Dies ist nur unseren geladenen Gästen mit Login in einem folgenden Beitrag vorbehalten.